Mein Weg zum Line Dance
September 2011. Ich betrete zum ersten Mal die Tanzfläche der Jacky Dancer in Düren – ohne zu ahnen, dass Line Dance ab diesem Moment ein fester Teil meines Lebens werden würde. Heute, mehr als ein Jahrzehnt später, stehe ich selbst als Trainerin vor der Gruppe. Wie es dazu kam, das möchte ich euch heute erzählen.
Der Einstieg – direkt ins kalte Wasser
Als ich mit Line Dance anfing, hat mein damaliger Trainer Jacky Cremer mich relativ früh in Richtung der schwierigeren Tänze für Fortgeschrittene geschubst, statt mich lange bei den einfachen Anfängertänzen zu halten. Im Rückblick war das genau richtig für mich – bis heute liegen mir die fortgeschrittenen Choreografien mehr als die einfachen Anfängertänze. Ich mag es, wenn ein Tanz mich fordert, wenn er nicht auf Anhieb sitzt und ich mich reinarbeiten muss. Und ich liebe Tempo – je schneller, desto lieber ist es mir, auch wenn das die anstrengendere Seite vom Line Dance ist.
Leicht war das trotzdem nicht. Auf der Tanzfläche zu stehen und von anderen gesehen zu werden, damit habe ich mich lange schwergetan. Das hat sich über die Jahre gewandelt – aber ganz von allein kam diese Sicherheit nicht.
Wie aus Tanzen Teachen wurde
Der Weg zur Trainerin begann nicht mit einem Plan, sondern mit Neugier. Ich habe angefangen, mir die ersten schwierigeren Tänze zu Hause selbst beizubringen – einfach, weil mich die Herausforderung gereizt hat. Jacky hat das mitbekommen und mich ermutigt, diese Tänze dann auch der Gruppe zu zeigen. Das war noch mal eine ganz andere Sache: vorne zu stehen, anzuleiten, im Mittelpunkt zu sein. Genau davor hatte ich am meisten Respekt. So bin ich Schritt für Schritt ins Unterrichten reingerutscht, ohne dass ich das von Anfang an so geplant hatte – und mit jedem Mal wurde es ein Stück leichter.
2018 hat Jacky mir dann das Zepter offiziell in die Hand gegeben. Seitdem bin ich die Trainerin der Jacky Dancer.
Kein Profi – und das ist okay
Ich möchte an dieser Stelle ehrlich sein: Ich bin keine professionell ausgebildete Trainerin. Ich mache das als Hobby, aus Leidenschaft. Und genau das macht für mich einen großen Teil des Reizes aus – ich unterrichte, weil es mir Freude bereitet, anderen etwas beizubringen, nicht weil es mein Beruf ist. Diese Freude, wenn jemand einen Schritt endlich sitzen hat oder wenn eine ganze Reihe plötzlich synchron durch eine kniffelige Passage tanzt, ist bis heute mein Antrieb.
Catalan – meine Herzensrichtung
Wenn ich eine Lieblingstanzrichtung nennen müsste, wäre es ganz klar Catalan. Kicks, Stomps, Jumps, schnelle Tempowechsel – genau das, was mich reizt und mir einfach Spaß macht.
Was ich aus meinem Weg mitnehme
Rückblickend war mein Weg ins Line Dance eher untypisch: kein langsames Herantasten über Jahre, sondern ziemlich bald mittendrin in den schwierigeren Tänzen – und von dort aus, fast beiläufig, hinein ins Unterrichten. Und dafür bin ich meinem damaligen Coach Jacky sehr dankbar. Er hat mir die Tür geöffnet und mir Raum gegeben mich auszuprobieren.
Einfach war das nicht immer, gerade das Vorne-Stehen und Gesehen-Werden musste ich mir erst erarbeiten. Aber genau daran bin ich gewachsen. Vielleicht ist das die Botschaft, die ich mit diesem Artikel teilen möchte: Man muss nicht alles von Anfang an geplant haben oder sich sicher fühlen. Manchmal reicht Neugier, ein bisschen Mut und jemand, der einem zutraut, den nächsten Schritt zu gehen.

Warum ich beim Tanzen den Kopf frei kriege
Es gibt diese Wochen, da schleppt sich bei mir alles bis zum Sonntag. Die To-do-Liste, die nicht kürzer wird. Die Gedanken, die sich im Kreis drehen. Und dann ist Sonntagnachmittag, ich steh mit meiner Gruppe im Trainingsraum, die Musik geht an – und spätestens nach den ersten zwei Tänzen ist der ganze Kopf-Kram einfach weg.
Ich tanze inzwischen seit über zehn Jahren, seit 2018 leite ich unser Sonntagstraining bei den Jacky Dancern selbst – und dieser Effekt ist bis heute derselbe geblieben.
Der Kopf hat einfach keine Zeit für anderes
Line Dance hat diese Eigenschaft, dass man wirklich bei der Sache sein muss. Schritte, Richtung, Timing, Musik – wenn man das alles unter einen Hut bringen will, bleibt kein Platz mehr für den Ärger vom Nachmittag. Man kann nicht gleichzeitig über den Chef nachdenken und einen Shuffel sauber hinbekommen. Das eine verdrängt das andere ganz automatisch.
Gerade bei den schnelleren, etwas kniffligeren Tänzen – die mag ich sowieso am liebsten – ist dieser Effekt am stärksten. Je mehr Konzentration ein Tanz fordert, desto vollständiger schaltet der Alltag ab. Das ist für mich fast wie eine Pause vom eigenen Kopf.
Und dann ist da noch die Gruppe
Was den Effekt für mich noch verstärkt, ist, dass man das nicht alleine macht. Man steht in einer Reihe, links und rechts sind Leute, die dasselbe versuchen, die manchmal genauso den Faden verlieren wie man selbst – und dann gemeinsam lacht, wenn eine ganze Reihe plötzlich in die falsche Richtung tanzt. Das verbindet auf eine Art, die man so schnell nirgendwo anders findet.
Ich habe im Laufe der Jahre öfter gelesen, dass Bewegung – und Tanzen ganz besonders – nachweislich die Stimmung heben und Stress abbauen kann. Ehrlich gesagt brauche ich diese Studien nicht, um das zu glauben. Ich merke es jedes Mal selbst, wenn ich nach dem Training nach Hause fahre und mich leichter fühle als vorher.
Ich tanze übrigens nicht nur sonntags mit meiner eigenen Gruppe. Freitags bin ich manchmal selbst als Tänzerin bei einem anderen Training dabei – ganz ohne die Verantwortung, vorne zu stehen und alles im Blick zu haben. Das ist noch mal ein ganz eigenes Gefühl: einfach nur mittanzen, den Kopf ausschalten und sich führen lassen, statt selbst zu führen. Beide Trainings tun mir auf ihre eigene Art gut, aber dieses freitägliche „einfach nur tanzen“ hat schon einen besonderen Reiz.
Nicht nur für die „guten“ Tage
Was ich dabei besonders schön finde: Es ist nicht nur an guten Tagen so. Gerade an den Tagen, an denen ich eigentlich am liebsten auf dem Sofa geblieben wäre, tut mir das Tanzen am meisten gut. Der innere Schweinehund lügt einem an solchen Tagen ziemlich oft vor, dass Zuhausebleiben die bessere Idee wäre. Meistens stimmt das nicht.
Und falls ihr mich fragt: Alle Tänze bitte etwas zügiger im Tempo. Dann ist garantiert kein Platz mehr für Alltagsgedanken übrig. 😄
Persönlicher Blog von Anja Wölk, Coach der Jacky Dancer
28.08.2026
